Welche Sprechstörungen behandle ich?

Sprechen: Individuelle Begleitung bei Artikulationsstörungen, Stottern, Poltern, Sprechapraxie und Dysarthrie.

Artikulationsstörungen

Artikulationsstörungen oder auch Phonetische Störungen sind teil der Sprachentwicklungsstörungen.

  •   Die Aussprache eines oder mehrerer Laute gelingt sprechmotorisch nicht störungsfrei (z.B. bei Problemen mit der Zungenmotorik): häufig wird der Laut /s/ nicht richtig gebildet, da die Zunge z.B. bei der Lautbildung zwischen den Zähnen liegt (Sigmatismus interdentalis) oder an die Zähne stößt (Sigmatismus addentalis). Diese Artikulationsstörung ist allgemein als «Lispeln» bekannt.
  • Der betroffene Laut kann isoliert nicht gebildet werden (Auslassung) oder wird durch einen artikulatorisch einfacheren Laut ersetzt (z.B. «Tinderdaten» statt «Kindergarten» / «Bume» statt «Blume» / «Snecke» statt «Schnecke»)

Stottern

Stottern ist eine Störung des Redeflusses oder des Sprechablaufs.

 

Ursachen:

Die genaue Ursache für Stottern ist nicht eindeutig geklärt. In neueren Untersuchungen gibt es Hinweise, die bei Stotternden auf ein Defizit in der Sprechmotorik oder der Sprachverarbeitung im Gehirn hindeuten.

 

Weiter kann davon ausgegangen werden, dass eine Reihe von internen und externen Einflussfaktoren die Entwicklung des Stotterns begünstigen, auslösen und/oder stabilisieren können, wie:

 

  • Genetische Faktoren
  • Organische Faktoren
  • Sprachliche Faktoren
  • Emotionale Faktoren
  • Umweltbedingte Faktoren

Symptome:

Das Stottern ist situativ unterschiedlich stark ausgeprägt und weist eine Vielzahl von individuellen Erscheinungsformen auf:

 

Kernsymptomatik:

  • Wiederholungen von Lauten und Silben («We-we-we-welle»)
  • Dehnungen von Sprechbewegungen («Weeeeelle»)
  • Blockierungen (Blocks) von Sprechbewegungen («Wwwwwelle»)

 

 

Begleitsymptomatik:

  • Emotionale Ebene: psychische Anspannung / Sprechangst
  • Soziale Ebene: Vermeidung von Sprechsituationen / Abbruch des Blickkontaktes
  • Sprechtechnische Ebene: Veränderungen der Sprechweise / veränderte Sprechatmung
  • Sprachliche Ebene: Vermeidung problematischer Wörter / Satzumstellungen
  • Motorische Ebene: physische Anspannung / mimische und ganzkörperliche Mitbewegungen
  • Vegetative Ebene: Schweißausbruch / Erröten / Erhöhung von Blutdruck und Puls

Vom Stottern abzugrenzen sind die entwicklungsbedingten Sprechunflüssigkeiten:

Entwicklungsbedingte Sprechunflüssigkeiten gelten als ‹normal› und treten bei 80% der Kinder im Alter von 2 bis 5 Jahren auf. Sie entstehen durch die Eigenkorrekturen der Kinder, wenn sie die grammatischen Strukturen und Regeln der Sprache erlernen.

Dies äußert sich u.a. in:

  • Ganzwortwiederholungen
  • Satzteilwiederholungen
  • Lockere, kurze Silbenwiederholungen oder Dehnungen

Entwicklungsbedingte Sprechunflüssigkeiten bilden sich im Unterschied zum Stottern nach relativ kurzer Zeit wieder von alleine zurück.

Poltern

Poltern ist eine Störung des Sprechablaufs, die häufig zur Unverständlichkeit von Äußerungen führt. Im Unterschied zum Stotterer hat der Polterer weitgehend kein Störungsbewusstsein.

 

Ursachen:

Die genaue Ursache für Poltern ist nicht eindeutig geklärt. Als mögliche Ursachen gelten:

  • Genetische Faktoren (z.B. familiärer Sprachschwächetypus)
  • Motorische Faktoren (z.B. Störungen bei der Kontrolle von Sprechbewegungen)
  • Temporale Faktoren (Diskrepanz zwischen der Geschwindigkeit des Denkens und der Umsetzung der Gedanken in Sprechbewegungen)

Symptome:

Beim Poltern kommt es infolge eines überhasteten und beschleunigten Sprechtempos /-ablaufs zu Unflüssigkeiten in Form von Silben-/, Laut-/, Wort-/ und/oder Satzwiederholungen (nach ICD-10/V F98.6).

Die Artikulation klingt undeutlich und verwaschen. Dies äußert sich u.a. in:

  • Lautersetzungen (z.B. aus «das Glas ist voll» wird «das Was ist voll»)
  • Lautveränderungen (z.B. aus «zwitschern» wird «schwitzern»)
  • Verschmelzungen von Lauten und Silbenfolgen (z.B. aus «Mikrophon» wird «Miron»)

Sprechapraxie

Eine Sprechapraxie ist eine erworbene (= nicht angeboren) Sprechstörung, die nach einer Schädigung des Gehirns auftreten kann. Dabei ist die Planung von Bewegungsabläufen der Sprech- und Stimm-Muskulatur beeinträchtigt.

 

Ursachen:

  • Neurologische Faktoren (z.B. Schlaganfall / Hirnblutung / Hirntumor / Schädel-Hirn-Trauma)

Symptome:

 

Merkmale der Artikulation können sein:

  • Bildung falscher Laute im Wort (z.B «Auf Liederlehen» statt «Auf Wiedersehen»)
  • Vertauschung / Auslassung von Lauten / Silben (z.B. «Auf Wiesehen» statt «Auf Wiedersehen»)
  • Artikulatorische Suchbewegungen mit den Lippen und der Zunge
  • Konsonanten sind öfter betroffen als Vokale

Merkmale der Stimme können sein:

  • Auffälligkeiten bei der Akzentuierung
  • Gehäufte Lautdehnungen von Vokalen und Konsonanten
  • Reduziertes Sprechtempo

Dysarthrie

Eine Dysarthrie / Dysarthrophonie ist eine erworbene (= nicht angeboren) Sprechstörung, die nach einer Schädigung des Gehirns auftreten kann. Dabei sind die Sprechbewegungen eingeschränkt, was sich in einer Veränderung der Sprechmuskulatur (Zunge / Lippen / Kiefer), der Atmungsmuskulatur und/oder der Stimmgebungsmuskulatur (Kehlkopf / Stimmbänder) äußern kann.

 

 

Ursachen:

  • Neurologische Faktoren (z.B. Schlaganfall / Hirnblutung / Hirntumor / Schädel-Hirn-Trauma / Morbus Parkinson / ALS / Multiple Sklerose)

Symptome können auf mehreren Ebenen auftreten:

Symptome der Artikulation:

  • Leise, monotone, undeutliche Sprechweise
  • fehlerhafte Lautbildung
  • Veränderte Sprechmelodie (Prosodie)
  • Verlangsamter oder beschleunigter Silbenfluss
  • Koordinationsstörungen der Sprechmuskulatur
  • Sprechblockaden (freezing)
  • Erhöhtes Sprechtempo

Symptome der Stimme:

  • rasche Stimmermüdung
  • Zittrige Stimme (Stimmtremor)

weitere Symptome:

  • Verminderte Mimik und Gestik
  • Beeinträchtigung der Sprechatmung